Veranstaltung: | Landesdelegiertenversammlung am 7. & 8. Dezember 2024 in Idar-Oberstein |
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Tagesordnungspunkt: | 6 Anträge II |
Status: | Beschluss (vorläufig) |
Beschluss durch: | Thorben Thieme |
Eingereicht: | 08.12.2024, 07:53 |
Für eine gesunde, klima- und tiergerechte Ernährung
Beschlusstext
Eine pflanzenbetonte Ernährung ist in der Regel gesünder, umwelt- und
klimaschonender und eine Voraussetzung für mehr Tierschutz. Werden pflanzliche
Lebensmittel ökologisch erzeugt, kann damit ein wichtiger Beitrag für die
Förderung der Biodiversität erreicht werden.
BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN setzt sich daher auch in Rheinland-Pfalz für eine
gesunde, klima- und tiergerechte Ernährung ein. Bereits aktive Projekte der
Ernährungsbildung in Rheinland-Pfalz finden wir deshalb sehr unterstützenswert.
Beispiele hierfür sind die Initiativen „Rheinland-Pfalz isst besser“ oder „Her
mit dem Gemüse“. Zudem können sich Schulen und Kindertagesstätten zertifizieren
lassen, um die Gesundheit und die Ernährungsbildung unserer Kinder zu verbessern
(„3-Sterne-Schule“, „Ernährungskita“). Doch eine gesunde Ernährung lässt sich
nicht allein durch Bildungsprojekte stärken. Grundsätzlich gilt in Deutschland
für Lebensmittel, die dem Bereich der Grundnahrungsmittel zugeordnet werden, der
ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent. Dies regelt § 12 des
Umsatzsteuergesetzes. Anlage 2 zu § 12 enthält eine Liste von Produkten, die dem
ermäßigten Steuersatz unterliegen. Hierzu gehören bspw. Zucker, Mehl,
Kartoffeln, Gewürze, Gemüse und Obst, Tee und Kaffeebohnen oder -pulver, Nüsse,
tierische Milch und tierische Milchprodukte wie Käse, Quark, Butter sowie
Fleisch, Fisch, rohe Eier und Honig. Der Bürgerrat für Ernährung hat bereits vor
längerer Zeit sinnvolle Empfehlungen für eine bessere Ernährung [1] erarbeitet
und auch die Ernährungsstrategie des Bundes formuliert wichtige Ziele. Wir GRÜNE
wollen insbesondere Folgendes umsetzen:
Wir GRÜNE Rheinland-Pfalz setzen uns für eine Reform auf Bundesebene ein.
Wir wollen das Mehrwertsteuersystem (bei Nahrungsmitteln) einfach, sozial
und nachhaltig gestalten, indem wir Nahrungsmittel besserstellen, die dem
Tier-, Natur-, Klima- und Umweltschutz dienlich sind. Dies kann auch einen
Beitrag zur Finanzierung des Umbaus der Tierhaltung leisten (im Zuge des
Bundesprogramms zum Umbau der landwirtschaftlichen Tierhaltung) sowie
Landwirt*innen unterstützen, die von der Tierhaltung auf die Produktion
und Verarbeitung innovativer, klimafreundlicher Lebensmittel umstellen
wollen (im Rahmen des Chancenprogramms Höfe, der Eiweißpflanzenstrategie
des Bundes usw.).
Dazu schlagen wir vor, die Mehrwertsteuer für bestimmte Produkte
abzusenken: 0% Mehrwertsteuer für pflanzliche und aus Pilzen erzeugte
Nahrungsmittel, welche ausschließlich zertifiziert biologisch sind; 7%
Mehrwertsteuer für ausschließlich zertifiziert biologisch erzeugte
Nahrungsmittel, die nicht unter die 0% Mehrwertsteuer fallen, und für
pflanzliche und aus Pilzen erzeugte Nahrungsmittel, die nicht
ausschließlich zertifiziert biologisch sind oder konventionell erzeugt
sind.
Somit machen wir uns auf Bundesebene dafür stark, pflanzliche und gering
verarbeitete Alternativprodukte, die ein Äquivalent zu einem tierischen
Lebensmittel der Grundnahrungsmittel darstellen, nur noch mit dem
ermäßigten Steuersatz von sieben Prozent zu besteuern.
Wir unterstützen die Erforschung, Entwicklung, Zulassung, Skalierung und
Integration moderner Fermentationsverfahren und Zellkultivierung in
landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten zur Entwicklung nachhaltigerer
Lebensmittel in Rheinland-Pfalz.
In allen Kantinen des Landes, seiner Behörden und Einrichtungen sowie bei
co-finanzierten Einrichtungen geben wir künftig bei der Vergabe die
Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) verbindlich
vor und lassen eine DGE-Zertifizierung durchführen. Zudem wird ein
Stufenplan für einen steigenden Bioanteil festgelegt. An allen
Verpflegungstagen soll jeweils mindestens eine vollwertige pflanzliche
(vegane) Alternative angeboten werden.
Wir sorgen hierbei dafür, dass pflanzliche Gerichte oben auf der
Speisekarte stehen und das günstigste Gericht pflanzlich ist.
Diese Ziele lassen wir in unsere GRÜNE Ernährungspolitik in Rheinland-
Pfalz einfließen. Wir stärken unter anderem das Programm „Rheinland-Pfalz
isst besser“ und den landeseigenen Ökoaktionsplan. Deshalb müssen wir
dafür sorgen, dass unsere Koordinations- und Beratungsstellen für
Ernährung auf Landesebene bestehen bleiben und ihre wertvolle Arbeit
vollumfänglich weiterführen können. So setzen wir Anreize, dass diese
Ziele auch auf kommunaler Ebene umgesetzt werden.
Begründung
Aktualisierte Fassung des Antrags A-3. Hier wurden alle Änderungsanträge in modifizierter Form übernommen.